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Distanz und Nähe
Tradition und
Innovation

in Weinfelden |
Menschen haben unterschiedliche Bedürfnisse. Je nach Charakter
und Situation sucht ein Mensch mehr Nähe und Intimität oder mehr
Distanz und die Möglichkeit, sich zurückzuziehen. Ebenso braucht
er einmal mehr die Geborgenheit im immer Gleichen, im Ritual - ein
anderes Mal sehnt er sich nach Veränderung, Herausforderung und
neuen Erfahrungen.
Die ThomasMesse ist ein Ort, an dem alle vier existenziellen Grundbedürfnisse
Platz haben: Intimität und Distanz, Tradition und Innovation:
(nach Tilmann Haberer)
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Der Aufbau

Raum der Stille in Frauenfeld |
Die ThomasMesse gliedert sich in drei Hauptteile:
- Ankommen, Gebet, Lesen eines Texts, Entfaltung eines Themas
(Rede, szenische Darstellung usw.) u.a. - wobei die Verkündigung
kurz und an keine Form gebunden ist.
- Offene Phase mit verschiedenen Stationen - das Herzstück der
ThomasMesse!
Verschiedene Angebote sprechen verschiedene Bedürfnisse an:
Kerzen anzünden, Taizélieder singen, stilles Gebet, Gespräch unter
vier Augen, Gespräch über die Predigt, Informationen zur Kollekte,
Aufschreiben von Bitten und Fürbitten, sakraler Tanz, Raum der
Stille, Segensgebet mit Salbung, im Bank sitzen bleiben, etc.
- Fürbitte, gemeinsames Abendmahl, Sendung und Segen
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Die Essentials

Kerzen wie Blumen gehören dazu

viele Mitwirkende sind engagiert

Fürbitten der Teilnehmenden
werden aufgenommen
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Beim Vernetzungstreffen der deutschen ThomasMesse-Initiativen in
Celle 1998 wurde ein Papier diskutiert und von den Anwesenden mit
Zustimmung zur Kenntnis genommen, in dem in grösstmöglicher Kürze
dargestellt ist, was eine ThomasMesse ausmacht.
Dieses Papier, das auf einen Entwurf von Rolf Sturm (Celle) zurückgeht,
von Jörg Gunsenheimer (Nürnberg) bearbeitet und schliesslich vom
Plenum während des Vernetzungstreffens verabschiedet wurde, stellt
so etwas wie eine offizielle Verlautbarung dar, einen Grundkonsens
darüber, welche Elemente zusammenkommen müssen, damit eine ThomasMesse
entsteht und besteht.
Das Koordinationsteam Schweiz hat das Papier übernommen und
empfielt, jede ThomasMesse an diesen Punkten zu überprüfen.
- Möglichkeit für Teilnehmende, Distanz und Nähe selbst
zu bestimmen (Leitfrage: Wie müsste ein Gottesdienst gestaltet
sein, zu dem ich meine kirchenfernen bzw. - kritischen FreundInnen
mitnehmen würde?)
- Möglichkeit zu aktiver Beteiligung der Teilnehmenden
(Leitfrage: Haben Gefühle und sinnliches Erleben der Menschen
Raum? Können Sie sich einbringen als die Menschen, die sie sind?)
- Möglichst gemeindeübergreifend, am besten in einer City-Kirche,
damit genügend Bewegungsraum zur Verfügung steht (Leitfrage:
Welchen Gottesdienst braucht die Stadt?)
- Konziliarer Prozess verschiedener Frömmigkeitsprägungen
und konfessioneller Prägungen im Vorfeld der Planung, Entstehung
und Durchführung: wachsen lassen statt "machen"
- Offener Trägerkreis (nicht nur funktional, sondern auch
als Ort gemeinsamer Spiritualität)
- Gabenorientierter Entstehungs- und Vorbereitungsprozess
(ortsspezifisch)
- Partnerschaftliche Zusammenarbeit von Laien und Hauptamtlichen
- Möglichst regelmässiger Rhythmus
(z.B. monatlich oder einmal im Quartal)
- Besondere Elemente
- ausgeweiteter Gebetsteil (vor oder nach der Verkündigung)
mit thematisch gestalteten Seitenaltären und dem Angebot
zur Segnung (auch Salbung, Meditation)
- Predigt nicht entscheidender Mittelpunkt oder gar Höhepunkt
- regelmässige Feier des Abendmahls als wichtiger
Bestandteil
- neue geistliche Lieder (Musikgruppe, Chor)
- Mitwirkung der Laien (nicht nur als ,,Helfende")
bei Seelsorge, Segnung, Austeilung, etc.
- eventuell anschliessendes Angebot zum Zusammensein
und Möglichkeiten der Teilnehmenden für feed back
- Nacharbeit (Auswertung) und Chance zur Weiterqualifizierung
der Mitarbeitenden im Team
Das Wesentliche...
... liegt in der "Mystik" der ThomasMesse:
- der nicht verfügbaren Gegenwart Gottes,
- der Begegnung mit dem unsichtbaren, auferstandenen Christus,
- der Berührung und Heilung,
- der Feier des lebendigen Gottes
"Man sieht nur mit dem Herzen gut - das Wesentliche
ist für die Augen unsichtbar."
(Antoine de St. Exupéry)
Das Wesentliche ist nicht machbar.
Es geht darum, den Raum offen zu halten, in dem Gott erfahrbar werden
kann.
Die ThomasMesse beginnt mit Gebet und ist ohne Gebet nicht lebendig.
(nach Tilmann Haberer)
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Das Team

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Die ThomasMesse nimmt das "Priestertums aller Gläubigen" ernst.
Sie löst die Behauptung ein, der Gottesdienst sei eine Feier der
Gemeinde. Die gottesdienstlichen Aufgaben werden aus der Bindung
an das ordinierte Amt gelöst, und die Mitwirkung der Nicht-Ordinierten
beschränkt sich nicht länger auf Statistenrollen.
Grundsätzlich stehen alle Aufgaben im Gottesdienst jedem Mitglied
des Teams offen. Für die Mitwirkung bei der Salbung/Segnung, bei
der Seelsorge sowie beim Abendmahl (siehe auch Rubrik Abendmahl)
wird eine entsprechende Qualifikation vorausgesetzt.
Das Team wählt die Predigerin bzw. den Prediger, den Speaker, das
Thema etc. und fällt alle wichtigen Entscheidungen nach intensiver
Beratung.
Die ThomasMesse ist nicht ein fertiges Modell, das einfach übernommen
und "nachgespielt" werden kann. Es gibt kaum jemals zwei genau gleiche
ThomasMessen. Jede ThomasMesse erwächst aus den jeweils eigenen
Bedürfnissen, Gaben und Möglichkeiten einer vorhandenen Gruppe.
Im Gottesdienst sind die Teammitglieder oft durch ein Merkmal gekennzeichnet,
zum Beispiel einen weissen Schal, den sowohl die Ordinierten als
auch die "Laien" tragen. In der Regel zieht das Team zu Beginn des
Gottesdienstes in die Kirche ein, wie das in manchen lutherischen
und allen römisch-katholischen Gottesdiensten üblich ist. Beim Einzug
werden Kerzen und evtuell ein Taizé-Kreuz (Kopie der Kreuzikone
aus der Église de la Reconciliation in Taizé) getragen.
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Die Musik

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"Jedenfalls keine Orgel", diese Meinung herrscht bei den meisten
ThomasMessen vor. Orgel erinnert an verstaubte und langweilige Gottesdiensterlebnisse,
in denen der Gemeindegesang vom Begleitinstrument eben nicht begleitet,
sondern totgeschlagen wird (was aber nicht der Fall muss!). Stattdessen
spielen je nach Möglichkeiten Bands oder Instrumentalkreise, singen
Chöre oder Vokalensembles, erklingen Gitarren, Querflöten und Keyboards.
Trotzdem ist die Musik immer wieder ein Gegenstand der Kritik.
"Nicht modern genug", "in den siebziger Jahren steckengeblieben",
so sagen die einen. "Warum verwendet ihr keine Orgel? Zur Kirche
gehört Orgelmusik", fragen andere, manchmal auch Konfirmanden. Es
ist schwer, bei den unterschiedlichen Musikgeschmäckern etwas zu
finden, was allen gefällt, und oft ist es mindestens genauso schwer,
Leute zu finden, die moderne Musik wirklich gut und gekonnt interpretieren
und begleiten können.
(nach Tilmann Haberer)
Aber auch hier gilt: Das Team wählt die Musik und die Lieder
aus. Die Frage nach dem Musikstil ist kein Tabuthema und grundsätzlich
haben alle Formen Platz, auch nebeneinander.
(Christian Münch)
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Die Verkündigung

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Die Predigt ist ein wichtiger
Teil der ThomasMesse, aber nicht das eigentliche Zentrum des Gottesdienstes.
Verkündigung wird umfassender verstanden, nicht nur über
das gesprochene Wort. Entsprechend soll sie kurz sein. Ihr Ziel
ist es, in zeitgemässer Sprache und Form Grundaussagen und Grunderfahrungen
des Glaubens so zur Sprache zu bringen, dass auch ein Mensch, der
dem Glauben fernsteht oder kritische gegenüber steht, eigene
Fragen und Lebensthemen wieder erkennt, eine Horizonterweiterung
erfahren kann und zum Glauben eingeladen wird. Dazu ist es wichtig,
dass der Prediger nicht nur theologisch korrekte Positionen wiedergibt,
sondern selbst erkennbar wird - als Mensch, der von den angesprochenen
Fragen ebenso umgetrieben wird wie andere, und als Mensch, der auf
diese Fragen bestimmte Antworten erprobt. "Ich"-Sagen ist erlaubt
und erwünscht. Verallgemeinerungen ("Sind wir nicht alle...") sollen
vermieden werden.
(nach Tilmann Haberer und Christian Münch)
Kreative Elemente, die vom Stil der herkömmlichen Sonntagspredigt
abweichen, sind möglich (etwa Bildmeditation, Pantomime, musikalische
Elemente, direkter Kontakt mit den Gästen, Stillephasen mit einem
Impuls zum Nachdenken und anschliessendem Austausch mit den Banknachbarn,
dramatische Darstellung einer biblischen oder aktuellen Szene und
anderes) aber nicht zwingend.
(nach Tilmann Haberer)
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Die 'offene Phase'
oder Gebetsphase

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Die ThomasMesse ist die einzige Bewegung, die versucht, Pluralität
und Vielfalt auszuhalten, ja, zu feiern. Sie ist die erste Gottesdienstform,
die radikal damit ernst macht, menschliche und geistliche Vielfalt
in der Kirche konsequent zusammenzutragen und zu versöhnen. Zum
Beispiel gibt es Menschen, die möchten in einem Gottesdienst ganz
bei sich bleiben und in Ruhe gelassen werden. Andere sehnen sich
nach Nähe und Berührung. Oder: Es gibt Menschen, die brauchen Tanz,
Bewegung, Emotionen, Spontaneität und Ekstase, um sich wohl zu fühlen.
Andere sind auf wiedererkennbare Formen und Rituale angewiesen.
Wie kann man das alles unter einen Hut bringen?
Die "offene Phase" der ThomasMesse ist die geniale Lösung. Hier
kann jeder und jede die eigene Form der Spiritualität finden. Wer
Nähe sucht, kann sich segenen und salben lassen oder sich bei einem
anderen Menschen aussprechen. Wer allein sein will, bleibt sitzen,
schaut sich die Bilder der Kirche an oder geht vor die Tür zu einem
kleinen Spaziergang.
(nach Andreas Ebert)
Die offene Phase dauert bis ca. eine halbe Stunde. In dieser Zeit
können z.B. folgende Elemente, Gebetsformen usw. angeboten bzw.
besucht werden:
- Kerzen anzünden
- Gebet aufschreiben
(je nach Wahl wird das Anliegen anschliessend in der Fürbitte
aufgenommen)
- Klage (Kummer, Hilfeschrei etc.) aufschreiben
und in eine symbolische Klagemauer stecken
- Sich salben und den Segen zusprechen lassen
- Gespräch unter vier Augen
- Taizé-Lieder singen
- Stilles Gebet, Meditation
- Sakraler / meditativer Tanz
- Gespräch über die Predigt
- Themenbezogene Ecke
(kreativer Workshop mit Malen, stilles Gespräch auf Papier etc.)
- Information zur Kollekte
- Bar mit Mineralwasser und Snacks
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Das Abendmahl

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Zur ThomasMesse gehört als fester Bestandteil die Feier des Abendmahls.
Der Name "Messe" bezeichnet ursprünglich nichts anderes als einen
Gottesdienst mit integriertem Abendmahl / Eucharistie. Damit knüpft
die ThomasMesse, die im reformierten Raum entstanden ist (in Finnland
ist die Römisch-katholische Kirche eine Minderheit), wieder
an die altkirchliche Tradition an und geht somit auch zurück auf
die Wurzeln der alten Kirchen.
Gleichzeitig ist sie darin sehr modern. Seit den sechziger Jahren
geht der gesamtgesellschaftliche "Megatrend" weg von der einseitigen
Betonung der Rationalität hin zu einer eher ganzheitlichen Erfahrung,
die das Nicht-Rationale und die Sinne mit einschliesst. Dem kommt
die Feier mit Brot und Wein entgegen.
Die ThomasMesse ist nach dem Zweifler Thomas benannt - und nicht
nach dem "Fels" Petrus oder dem glaubensstarken Mystiker und Märtyrer
Paulus. Deswegen laden viele ThomasMessen ausdrücklich alle zur
Kommunion ein, die die Sehnsucht verspüren oder vielleicht sogar
nur die Sehnsucht nach der Sehnsucht, ohne Rücksicht auf Konfessions-
oder Kirchenzugehörigkeit. Natürlich ist diese Praxis nicht unumstritten.
Aber wir verstehen sie als konsequente Nachfolge von Jesus, der
mit Zolleinnehmern, Prostituierten, Widerstandskämpfern, Verrückten
und Ausländern an einem Tisch sass. Wer nicht teilnehmen will, darf
mit dazustehen oder auch im Bank sitzen bleiben. Es soll niemand
ausgeschlossen werden und sich ausgeschlossen fühlen.
(nach Tilmann Haberer)
Beim Abendmahl bestehen zwischen den Kirchen noch immer Differenzen.
Bislang wird das Abendmahl bei der ThomasMesse an fast allen Orten
nach Evangelischem Ritus und Verständnis gefeiert. Die Einsetzungsworte
werden in der Regel von einer ordinierten Person gesprochen (oder
gesungen - in München z.B. nach einem eigens dafür komponierten
Lied).
(Zum Abendmahlsverständnis bei der ThomasMesse vgl. die Homepage
des Teams der ThomasMesse
Bremen)
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Redaktion
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Christian Münch (Thal).
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