Stell dir vor,
es ist Gottesdienst,
und alle gehen hin!
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Stell dir vor: eine grosse Kirche, mit 700-800 Sitzplätzen - meistens
voll. Und das nicht nur einmal im Jahr, nein: jeden Sonntag. Ein
schöner Wunschtraum? Nein, Wirklichkeit. Jeden Sonntagabend ist
der Dom in Helsinki gefüllt mit 500 bis 700 Menschen, die miteinander
Gottesdienst feiern, und zwar einen ganz besonderen Gottesdienst:
die ThomasMesse. Dabei ist Helsinki eine ganz normale europäische
Hauptstadt, und die Finnen sind nicht frömmer als die übrigen Europäer.
(nach Tilmann Haberer, München)
Wie ist dieses erstaunliche Phänomen entstanden?
Im Herbst 1987 hatte der lutherische Pfarrer Olli Valtonen aus
Helsinki eine Vision. Und das kam so: Schon lange hatte er sich
in der Rolle des kirchlichen Amtsträgers nicht mehr recht wohl gefühlt.
Er wollte näher bei den Menschen der Grossstadt sein, ihr Lebensgefühl
teilen, ihren Alltag. So wurde er Redakteur einer Boulevard-Zeitung.
Aber kaum war er nicht mehr kirchlich besoldeter Pfarrer, machte
er eine beklemmende Entdeckung: Die sonntäglichen Gottesdienste
gaben ihm immer weniger. Sie hatten mit seinem Alltag wenig zu tun.
Und nicht im Traum wäre er auf die Idee gekommen, seine säkularisierten
Kollegen zu solch einem Gottesdienst einzuladen. Seine erste Überlegung
war: Wie müsste ein Gottesdienst sein, bei dem ich wirklich auftanken
kann für eine Woche und all das bekomme, was ich zum Überleben im
Dschungel der Grossstadt brauche? Die zweite Frage war: Wie müsste
ein Gottesdienst aussehen, zu dem ich Freunde und Bekannte, Nachbarinnen
und Kolleginnen gern einladen würde? Die Überraschung war: Beide
Gottesdienste waren sich sehr ähnlich. Ich lade andere nur zu einem
Gottesdienst ein, der mich selber betrifft und berührt.
Bald fand Olli Valtonen Mitstreiterlnnen, die ähnlich dachten,
obwohl sie aus ganz anderen kirchlichen "Ecken" kamen. Valtonen
selbst kam von der katholisch geprägten charismatischen Bewegung
um den belgischen Kardinal Suenens. Seine beiden ersten Mitstreiter
waren ein Universitätsprofessor, der mit der lateinamerikanischen
Befreiungsspiritualität sympathisierte, und eine Dichterin, die
ihre geistliche Heimat in Taizé hatte. Die drei suchten nach anderen,
die sich ebenfalls nach einem neuen Grossstadtgottesdienst sehnten.
Bald waren 20 oder 30 Leute zusammen. Man traf sich regelmässig
zum Frühstück in einem Restaurant, um zu beten, Ideen zu sammeln,
sich auszutauschen. Alle möglichen geistlichen Strömungen waren
vertreten. Und man wurde sich einig: Das Neue würde es nicht geben,
wenn jeder auf seiner eigenen Prägung und Theologie beharren würde.
Das Neue würde entstehen, wenn jeder die besten Erfahrungen, Lieder,
Rituale und Erkenntnisse der eigenen Tradition einbringen würde
in ein grosses Ganzes. Aus diesem schöpferischen Prozess entstand
die ThomasMesse. Seit 1989 wird sie jeden Sonntagabend in der Agricola-Kirche
in Helsinki gefeiert.
(nach Andreas Ebert, München)
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Woher kommt
die Idee
ThomasMesse
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Die Idee ThomasMesse (TM) ist 1987 in Finnland, in Helsinki, durch
einen Prozess entstanden. Gesucht war eine Gottesdienstform, die
für viele einladend ist - auch für Suchende und Zweifelnde und in
dem Christen aus verschiedenen Richtungen gemeinsam feiern können.
Zwei Pastoren, Olli Valtonen und Miika Ruokanen, zusammen mit einem
Team fragten sich: Wie muss ein Gottesdienst sein, dass ich ihn
auch als meinen Gottesdienst bezeichnen kann? Wie möchten wir ihn
selber am liebsten feiern? Welche positiven, welche abschreckenden
Erfahrungen habe ich mit Gottesdiensten gemacht? Wie muss ein Gottesdienst
sein, zu dem ich meine (kirchenfernen) Freundinnen und Freunde mitnehmen
kann, ohne "rot" zu werden? So entwickelte sich über ein halbes
Jahr die ThomasMesse, in der unterschiedliche Menschen aus verschiedenen
geistlichen Traditionen zusammen feiern können.
1991 kam die ThomasMesse nach Deutschland, nach Winsen an der Luhe,
nach München, nach Bremen, Nürnberg, Reutlingen und an andere Orte.
Inzwischen wird sie in über 50 Orten mehr oder weniger regelmässig
durchgeführt. Am ersten BodenseeForum 1999 (ein kirchen- und grenzüberschreitender
Studientag für Kirchenleute) in Romanshorn wurde die ThomasMesse
in einem Workshop von einem Team der ThomasMesse Reutlingen vorgestellt.
Das Interesse bei einigen Schweizern war geweckt. Zuerst entstand
Team, das die Umsetzung in der Ostschweiz an die Hand nahm. Konkret
wurde die erste ThomasMesse am 23. September 2001 in St. Gallen
gefeiert und kurz darauf in Schaffhausen, Weinfelden, Frauenfeld.
Inzwischen interessierten sich in der Schweiz immer mehr Menschen
für die Idee ThomasMesse. Etliche Orte bis in die welsche Schweiz
feiern eine ThomasMesse - einige dabei auch unter anderem Namen
(siehe >> Daten und Durchführungsorte).
Die Ostschweizer Initiativgruppe ist darum nun bemüht, ein
Netz für die Schweiz aufzubauen, das den Austausch unter den
ThomasMesse-Teams födert. Diese Homepage ist eines der Bausteine
dazu.
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Berichte
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Liturgie mit Bar und Zweifeln
...von Monika Slamanig.
"I have a dream - Ich habe einen Traum: das Thema nach einer Rede
von Martin Luther King zog sich wie die roten Fäden der Kunstinstallation
in der Offenen Kirche am Sonntagabend durch das Programm der Thomas-Messe."
...lesen...
ThomasMesse im Münster Schaffhausen
...von Marlise Stöckli.
"'Ein Gottesdienst für Zweifler und andere gute Christen' war mit
der ThomasMesse am Sonntagabend im Münster angesagt, und die Leute
kamen in Scharen." ...lesen...
Eine Aufforderung zum Tanz
...von Ulrich Schwartz.
"Glauben heisse nicht, bestimmte Glaubenssätze für wahr halten;
Glauben heisse: sich auf den Weg machen, die Begegnung mit Gott
suchen, immer wieder, immer anders." ...lesen...
Ein Zweifler lädt zur Feier
...von Andreas Fischer.
"Dieser Friedensgruss sei ihm unangenehm, meinte letzthin ein Freund
von mir nach dem Besuch einer katholischen Messe. Fremden Menschen
auf Befehl - "gebt einander ein Zeichen des Friedens" - etwas zu
wünschen, das liege ihm nicht." ...lesen...
Die erste ThomasMesse: ein voller Erfolg!
...von Matthias Roth.
"Wow! Das war sie also, die erste ThomasMesse in der Schweiz! Sie
war feierlich, eindrücklich, besinnlich, berührend, beruhigend,
bergend... Ein Abend zum Mitnehmen." ...lesen...
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